Fernfahrt von Schwerin nach Berlin
21. bis 30. August 2008

 

Kurzinformation und Organisation
Land: Deutschland
Datum: 21. bis 30. August 3008
Dauer Fahrt auf dem Wasser: 6 Tage
Fluss- und Seengebiete: Müritz-Elde-Wasserstrasse,
Havel, Seenplatte Mecklenburg,
Brandenburg und Berlin
Strecke: Schwerin bis Berlin-Tegelort
Gesamtlänge: 284 Km
Länge pro Tag (Durchschnitt): 47 Km
Länge pro Tag (Maximum): 60 Km
Länge pro Tag (Minimum): 38 Km
Verwendete Schiffe: 3 Übersetzboote
Fahrgeschwindigkeiten: 6 bzw. 9 Km/Std. auf Flussabschnitten
Wasserstand: gleichbleibend
Hindernisse: 3 bis 5 Schleusen pro Tag
bedient oder automatischer Betrieb
Hinreise: Flug mit Air Berlin, Zürich–Berlin
Bus Berlin bis Schwerin
Rückreise: Flug mit Air Berlin, Berlin–Zürich
Unterkunft: Hotel
Verpflegung: Hotel oder Restaurant, Lunchpaket im Feld

 

 

Einleitung

Schon sind seit der letzten Fernfahrt nach Polen fünf Jahre vergangen. Allen Teilnehmern ist die Fahrt auf der Weichsel noch in bester Erinnerung. Dies muss auch der Grund sein, dass das Fernweh bei zahlreichen Vereinsmitgliedern immer stärker zum Ausdruck kam.

 

 

So machte sich vor ungefähr zwei Jahren ein neues, jüngeres Organisationsteam an die Arbeit, eine neue Fernfahrt zu planen. An der GV 2006 entschieden sich die Mitglieder, im Sommer 2008 die Mecklenburgische Seenplatte und das Brandenburgische blaue Paradies von Schwerin nach Berlin zu befahren. Die Reise führte die Zürcher Pontoniere 10 Tage in den Nordosten der Bundesrepublik Deutschland, von Schwerin über Parchim, Plau am See, Waren, Mirow, Fürstenberg, Zehdenick nach Berlin-Tegelort.

Die Teilnehmer schätzten den minimalen Wechsel der Unterkünfte sehr. Während der ganzen Reise mussten wir nur dreimal einen Hotelwechsel vornehmen. Die Verpflegung in den Restaurants und in den Hotels sowie die Übernachtungen in Schwerin, Mirow und Berlin übertrafen unsere Erwartungen.

Das Befahren von Seen und strömungsarmen Flüssen, der Wegfall natürlicher Hindernisse und die reduzierten Fahrgeschwindigkeiten auf den Flüssen stellten an die Fahrtrupps keine speziellen Anforderungen. Die Ufer und Böschungen an den Seen und Flüssen waren sehr gut unterhalten. Allerdings stellte das Navigieren auf den grossen Seen bei schlechtem Wetter und dazu noch bei schlechter Sicht, eine anspruchsvolle Aufgabe dar. Unser Reise­leiter und Navigator Röbi Baumann meisterte sie mit temporärer Unterstützung von Daniela Gander mit Bravour. Eine grosse Stütze beim Navigieren waren auch die ausgezeichneten Fluss- und Seekarten der deutschen Wasser-Aufsichtsbehörden sowie die in den grösseren Seen gesetzten Boyen.

Durch die Routenwahl reduzierte sich die externe Unterstützung wie beispielsweise der Wegfall der Bewachung der Schiffe und des Materials. Die Marschtabelle konnte auf der ganzen Reise mit kleinen Abweichungen eingehalten werden. Das zeitweise geringe Verkehrsaufkommen bei den Schleusen und gekonnte Taktik bei der Schleuseneinfahrt reduzierten mit einer Ausnahme die geplanten Wartezeiten. Alle Schleusen waren bedient oder für eine Selbstbedienung automatisiert.

Das Wetter liess sich dagegen von der guten Organisation der Reise überhaupt nicht beeindrucken. Die Hochdruckgebiete blieben im Süden und im Norden wechselten sich Regen und Sonne in rascher Folge ab. Dies tat der Laune der Zürcher Pontoniere keinen Abbruch, denn es galt das Motto: «Nach äm Räge schiint d’Sunne».

Ein Bus begleitete uns während der ganzen Reise. Neben dem Transport der Teilnehmer, des Gepäcks und des Materials von einem Etappenziel zum nächsten musste der Busfahrer für volle Benzinkanister sorgen und mittags die Lunchpakete und Getränke zum Rastplatz fahren. Der hilfsbereite Haupt-Busfahrer erfüllte seine Aufgabe im Gegensatz zum Ersatzfahrer zu unserer Zufriedenheit und war so eine wichtige Stütze für unser Vorhaben.

Den Transport der Boote und des Materials vertrauten wir wieder der Transportfirma Frank Schneider aus Rupperswil an. Nicht nur die älteren Semester schätzten das konsequente Ab- und Aufladen der Schiffe und der Motoren mit Hebezeugen, muss diese Arbeit doch im Normal- und Ordonanzfall von Hand ausgeführt werden.

Der Frauenanteil steigerte sich gegenüber der letzten Fernfahrt um volle 100 Prozent. Daniela Gander die erfahrene Fernfahrerin wurde durch Elvira Huber verstärkt. Es ist daher selbstverständlich, dass die männliche Form des Berichtes, auch immer die beiden Damen einschliesst. Dafür mussten sich leider einige Teilnehmer vor der Abreise aus beruflichen und gesundheitlichen Gründen wieder abmelden.

 

Zürich–Berlin–Schwerin
Donnerstag, 21. August 2008

Pünktlich trafen die 23 Teilnehmer am Treffpunkt im Terminal 2 am Flughafen Kloten ein. Frau Felicitas Hellmerich-Bieri vom Reisebüro HRG überwachte das Check-In. Nach überstandener Sicherheitskontrolle erfolgte der Abflug pünktlich mit Air Berlin nach Berlin. Nach der Passkontrolle in Berlin stand der Begleitbus zur Fahrt nach Schwerin mit dem Haupt-Busfahrer Aloysius Tschetschner bereit.

 

Impression aus dem Schlosspark in Meyenburg

 

Er war ein Mann mit einer typischen Berliner Schnauze. Das Mundwerk funktionierte so schnell, dass Schweizer Ohren oft Mühe bekundeten, dem Wortschwall zu folgen. Beim Zwischenhalt in Meyenburg wurde das Mittagessen im Hotel «Germania», in der Nähe des Schlossparks, eingenommen. Dies war die erste Gelegenheit sich mit dem Norddeutschen Bier und den Weinen vertraut zu machen. Nach der Ankunft in Schwerin und dem Zimmerbezug im Hotel Crown Plaza stand die restliche Zeit, mit Unterbruch für das Abendessen im Hotelrestaurant, zur freien Verfügung.

 

Eingangsbereich des Hotels Crown Plaza in Schwerin

 

Schwerin
Freitag, 22. August 2008:

Nach einer kurzen Busfahrt zum Hafen des Schweriner Yachtclub Kalkwerder war das Abladen und das Wassern der Schiffe angesagt. Der Hafenmeister Lambert Nöhlen bediente den Kran und dirigierte die Abladeaktion so, dass die Schiffe und die Motoren direkt vom Lastwagen ins Wasser gelangten.

 

Schiffe einwassern im Hafen des Yachtklubs Kalkwerder

 

Es folgte die Erstausrüstung der Schiffe, Instruktion der Teilnehmer und der Bootsführer sowie die Bootseinteilung. Nach einer Probefahrt auf dem Schweriner See wurden die Schiffe abgerüstet und im Hafen vertäut.

 

Pontoniere in Fahrt vor dem Schweriner Schloss

 

Auf der Rückfahrt unternahmen wir unter der Stabführung von Adrian Honegger den ersten Versuch, das Pontonierlied ab dem eigens hergestellten Liederbogen zu singen.

Am Nachmittag stand ein Stadtrundgang mit Dietrich Felske, einem profunden Kenner der Schweriner Geschichte und den originellsten Weinstuben in der Stadt, auf dem Programm. Er erzählte viele Details, auch über die Geschichten in und um Schwerin, mit viel Schalk und Humor. So bezeichnete er die gläserne Verbindung beim Verwaltungspalast als «Beamtenlaufband». Kam ein Fahrrad entgegen machte er uns auf ein Kettenfahrzeug aufmerksam.

Dietrich Felske betätigt sich auch als historischer Nachtwächter und führt als solcher nächtliche Stadtführungen durch. Er sieht dem Petermännchen gleich, dem Wahrzeichen von Schwerin und sagt: «Sie glauben doch nicht im Ernst, dass ich sonst so einen Bart tragen würde!»

 

Unser Stadführer Dietrich Felske Strassenbild in der Schweriner Altstadt
Schloss Schwerin Schlossgarten mit Schloss Schwerin

 

Der Name Schwerin stammt aus dem slawischen Zuerin und kann mit «reich an Tieren» übersetzt werden. Nach dem Stadtrundgang wurden wir in viele Details des schön renovierten Schlosses und des Schlossparks eingeweiht. Der vierstündige Anlass ging bei manchen Teilnehmern an die Konditionsgrenze. Das Nachtessen fand im Hotelrestaurant statt.

 

Schwerin–Parchim
Samstag, 23. August 2008

Ausrüsten der Boote bei strömendem Regen

 

Spätestens beim Treffen in der Hotelhalle war allen klar, dass das vom Reiseleiter Röbi Baumann vorhergesagte schöne Wetter buchstäblich ins Wasser fiel. Nach kurzer Busfahrt rüsteten wir unsere Boote bei strömendem Regen zur ersten Fahrt auf unserer Reise nach Berlin aus.

Von der Abfahrt bis zum ersten «Stoffwechselhalt» gegen Mittag drückte der Regen und der Wind etwas auf unsere Stimmung. Über die Schönheiten der Landschaft zu berichten, war in dieser Situation objektiv nicht möglich. Petrus hatte aber später mit uns doch noch Erbarmen und schickte mit kurzem Unterbruch einige wärmende und trocknende Sonnenstrahlen. Die erste Schleuse in Banzkow passierten wir ohne Probleme.

 

Kurze Pause bis zur Schleusenfreigabe Einfahrt in die Schleuse Banzkow
Mittagshalt bei der Schleuse Garwitz Das alte Schleusentor dient als Windschutz

 

Beim Mittagshalt bei der Schleuse Garwitz konnte der Lunch bei Sonnenschein eingenommen werden. Unsere gute Laune und die Zuversicht auf eine schöne Reise waren wie hervorgezaubert. Auch die Landschaft zeigte sich von der schönsten Seite.

Am Spätnachmittag, zwei Stunden früher als geplant, sassen wir bereits im Bus auf der Fahrt nach Schwerin. Erkenntnis des ersten Tages: Die Tauglichkeit, in allen Wetterlagen die Stimmung nicht zu verlieren, haben wir schon jetzt bewiesen.

 

Unterwegs nach Parchim
Wärmende und trocknende Sonnenstrahlen Unser Bootsliegeplatz in Parchim

 

Parchim–Plau am See
Sonntag, 24. August 2008

«Wenn einer ein rechter Pontonierer will sein,
so darf er vor allem das Wasser nicht scheu’n» ...

Getreu diesem Liedtext folgend, starteten wir trotz Regen und falscher Prognose des Reiseleiters frohen Mutes in den neuen Tag. Mit dem Bus und mit unserem Gepäck gelangten wir wieder nach Parchim, wo sich die Boote befanden. Die Wasserschutzpolizei war bereits anwesend. Ein Boot füllte sich mit Wasser, da es unter einem Dachwasser-Ablauf befestigt war.

Bei der Weiterfahrt konnten wir die schöne Natur mit den grünen Uferlandschaften bis zur Ortschaft Plau am See geniessen.

 

Wunderschöne Uferlandschaften prägen die Fahrt zwischen Parchim und Plau am See, während bedrohliche Wolken den Himmel verdunkeln

 

Während die einen bei der Mittagspause in Lübz das Essen aus der Lunchbox an der Anbindestelle verzehrten, gönnten sich andere bei Schunkelmusik beim Lübzer Turmfest neben anderem das Lübzer Pils.

Für die Bootsführer war auch heute das Durchfahren der passierten fünf Schleusen kein Problem. Dagegen konnte man immer wieder die ungeschickten Manöver der Gelegenheitskapitäne beobachten, was für Unterhaltung und Gesprächstoff sorgte. So entwickelten sich bei der Schleuse Bobzin geflügelte Worte aus dem Dialog zwischen einem verärgerten Kapitän und dem Schleusenwärter. Der Strahl des Wassereinlaufs in der Schleuse versenkte vorher beinahe das Beiboot. Frage des Kapitäns: «Wie soll ich denn wissen, was sie unter ganz nach vorn verstehen?» – Spätere Antwort des Kapitäns: «Lecken Sie mich am A...»

 

Plau am See

 

Der Bus brachte uns zum Seehotel in Mirow, das sich auf der geschichtsträchtigen Halbinsel am gleichnamigen See befindet. Die Freizeit verbrachten wir gemeinsam nach dem Nachtessen im Kaminzimmer des Seehotels.

 

Plau am See–Mirow
Montag, 25. August 2008

Fast stimmte heute die Wetterprognose des Reiseleiters: es regnete nicht, aber das Thermometer zeigte nicht mehr als 14 Grad an. Mit dem Bus gelangten wir nach Plau am See, wo wir unsere Schiffe zur Königsetappe flott machten. Wir starteten auf dem Plausee und legten im Hafen des Städtchens Waren an. Neben den kleineren und grösseren Jachten hinterliessen wir mit unseren Booten einen scheinbar bescheidenen Eindruck. Ein Jachtbesitzer hatte mit uns Erbarmen. Vor allem das fehlende Dach auf den Schiffen beschäftigte ihn, da wir dem Wetter ausgeliefert waren. Es beruhigte ihn, als wir erklärten, dass wir dafür jede Nacht in einem grosszügigen Hotelbett statt in einer engen Kajüte schliefen. Er wusste ja nicht, dass das Wetter für uns kein Problem war, da der Reiseleiter immer schönes Wetter prognostizierte.

 

Einfahrt in den Hafen von Waren

 

Nach dem Mittagessen folgte ein Stadtrundgang mit Eva Jung. Sie empfing uns in einer Originaltracht und zeigte uns die Innenstadt mit dem schönen Rathaus, dem Haus des Gastes und der Marienkirche.

Nun durchquerten wir die Müritz – den grössten See auf unserer Reise, der während des letzten Krieges auch als Torpedo-Versuchsgelände benutzt wurde. Das Wetter und die Sicht verlangten das ganze Können des Navigationsteams im ersten Boot. Wir erreichten den Verbindungsfluss zum Mirower See ohne Umweg punktgenau. Bravo!

 

Unsere Stadtführerin Eva Jung Häuserzeile in der Altstadt von Waren
Positionslicht auf dem Müritzsee Unterwegs auf dem Müritzsee

 

In einer kleinen Zeremonie trafen wir uns am Abend bei der Johanniterkirche aus dem 14. Jahrhundert mit Vorstandsmitgliedern der «Vereinigung Kirchturm Mirow» und übergaben als Beitrag zum Erhalt der Kirche einen Check. Bei der anschliessenden Kirchenbesichtigung beeindruckte der renovierte Kirchenraum und zeigte auch den Unterschied zwischen der lutheranischen und der zwinglianischen Kirche auf.

 

Das renovierte Kirchenschiff der Johanniterkirche in Mirow

 

Da die Ausgangsmöglichkeiten in Mirow beschränkt waren, sassen wir nochmals im Kaminzimmer des Seehotels zusammen. Unter anderem kam auch der politische Meinungsaustausch nicht zu kurz.

 

Mirow–Fürstenberg
Dienstag, 26. August 2008

 

Endlich Sonne! Morgenstimmung beim Seehotel Mirow

 

Hurra! Sonnenschein am Morgen und kein Wölklein am Himmel. Wir konnten die Boote direkt vor dem Seehotel ausrüsten. Mit einer Zusatzschlaufe besichtigten wir am anderen Ufer eine neuere Ferienhaus-Siedlung auf Pfählen. Jetzt war der Zeitpunkt da, die Landschaft und die Natur in vollen Zügen zu geniessen. Wir beobachteten Graureiher, Kormorane, ab und zu einen Eisvogel und Seerosenfelder, die im Sonnenlicht leuchteten. Wir durchfuhren eine einzigartig schöne Wasserlandschaft mit exklusiven Spiegelbildern im Wasser der ans Ufer grenzenden Wälder. Nach der Einmündung des Hütten-Kanals – der Wasserstrasse, welche von Rheinsberg kommt – nahm der Schiffsverkehr merklich zu. Bei der Schleuse Strasen machten wir einen ausgiebigen Mittagshalt im Restaurant «zum Löwen». Von der Gartenwirtschaft aus beobachteten wir den regen Schiffsverkehr in der Schleuse.

 

Graureiher Ferienhäuser am Ufer des Mirower Sees

 

Da unsere Boote nicht sehr breit sind, fanden wir Platz zwischen den grossen Wohnbooten. Leider bedeckte sich der Himmel wieder und es wurde merklich kühler. Wir erreichten am späteren Nachmittag Fürstenberg. Nach dem Abrüsten der Boote ging es zurück nach Mirow.

Am Abend erwartete uns eine Rittertafel im Ritterkeller neben dem Seehotel. Die Tafel bestand aus Fleisch, Huhn und Wurst sowie Kartoffeln mit feinem Gemüse – nach alter Ritterart schmackhaft zubereitet. Dazu wurden Wasser, Bier und Wein serviert. Nach Ritterbrauch musste beim Essen auf die Gabel verzichtet werden. Dafür standen Holzlöffel, Dolch und Finger zur Verfügung. Ein Mönch führte durch das Programm und erzählte die Geschichte des Ritterkellers.

 

Die Pontoniere an der Rittertafel im Ritterkeller des Seehotels Mirow

 

Der Ritterkeller selbst hatte im Laufe der Zeit verschiedene Funktionen. Erbaut wurde er im 14. Jahrhundert als Eiskeller. Im Winter schnitt man Eisbrocken aus dem gefrorenen See, die mit einem speziellen Hebezeug in den Keller versenkt wurden. Die Eisbrocken wurden zum Kühlen der Lebensmittel in der warmen Jahreszeit verwendet. Während des 2. Weltkrieges schützten die sechs Meter dicken Mauern die Bevölkerung vor Fliegerangriffen.

 

Feuerspiele und Bauchtanz

 

Zusätzlich unterhielten uns zwei attraktive Artistinnen mit verschiedenen Arten von Feuerspielen und Bauchtänzen. Gegen Mitternacht kehrte Ruhe bei den Rittersleut ein.

 

Fürstenberg–Zehdenick
Mittwoch, 27. August 2008

Mit dem Bus ging es wieder mit unserem Gepäck nach Fürstenberg. Das Wetter war bewölkt aber trocken. Wir fuhren entlang eng gepflanzter Nadelholzwälder, die sich mit weiten Feldern und schönen Laubwäldern abwechselten. Im Bus war es verdächtig ruhig, einige schienen noch die Folgen des Ritterabends zu verdauen.

 

Hausboot der spartanischen Art Einfahrt zur Schleuse Bredereiche
Zunehmender Verkehr auf den Kanälen auch durch Frachtschiffe

 

In der Nähe des Marina-Fürstenfeld-Hafens, wo unsere Boote über Nacht angebunden waren, befand sich auch das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück. «Ist das ein Überfall der Schweizer?» wollten noch einige Zaungäste wissen. Pünktlich legten wir zur Weiterfahrt ab.

Am Morgen früh schliefen etliche Paddler in ihren Zelten und die Jachten lagen meistens noch vor Anker. Durch enge Kurven befuhren wir die Havel Richtung Berlin. Bei der ersten Schleuse Bredereiche wurde der Spanntauhalter im zweiten Boot zum ersten Mal höflich gebeten, sein Auftrag zu erfüllen – nach dem scharfen Befehlston der letzten Tage eine erwähnenswerte Neuerung. Wir verliessen Mecklenburg-Vorpommern und gelangten nach Brandenburg. Am Mittag passierten wir in Zaren die dritte Schleuse des heutigen Tages.

Der Reiseleiter machte uns darauf aufmerksam, dass im Havelabschnitt Biber und Fischotter heimisch sind. Leider mussten wir uns mit den bereits bekannten Tierarten begnügen.

 

Zugbrücke in Zehdenick

 

Nach dem Abrüsten in Zehdenick erfolgte der Bustransfer nach Berlin ins Hotel Mercure Checkpoint Charlie. Gemäss Programm war freies Nachtessen und Ausgang angesagt.

 

Zehdenick–Berlin-Tegelort
Donnerstag, 28. August 2008

Bereits nahmen wir die letzte Etappe auf dem Wasser in Angriff. Um den Zeitplan einzuhalten gingen wir extra früh aus den Federn. Es nutzte aber alles nichts, weil der Ersatzchauffeur sich zweimal verfahren hatte. Auch die Hilfe unseres erfahrenen Navigationsspezialisten Röbi Baumann nahm der Chauffeur nicht zur Kenntnis. Die Verspätung musste irgendwie und irgendwo kompensiert werden. Der Himmel blieb den ganzen Tag bedeckt, dazwischen kurze Regenschauer, aber dafür angenehme Temperaturen.

 

 

Bei der Schleuse Bischofswerder wurden wir von einem Bootsführer auf die Geschwindigkeits-Kontrollen durch die Wasserschutzpolizei aufmerksam gemacht. Späher mit Feldstechern im ersten Boot erhielten sofort den Auftrag, Ausschau zu halten. Nach kurzer Zeit konnte ein Polizeiboot mit Geschwindigkeits-Messeinrichtung ausgemacht werden. Offenbar überschritten wir auch ohne Tachometer die erlaubte Höchstgeschwindigkeit nicht.

 

In der Schleuse Zehdenick Die Frachtschiffe werden immer grösser

 

Nach dem Passieren der Schleuse Bischofswerder begegneten wir ausserdem wieder einem Hobbykapitän, der mit seinem Kahn die unmöglichsten Manöver durchführte, dies vor allem bei den Schleuseneinfahrten. Es fehlte nicht viel, dass er quer in die Schleuse einfuhr. Für Heiterkeit aber auch für Besorgnis war gesorgt.

Landschaftlich zeigt sich das Bild wie gehabt. Vermehrt waren Strandhäuschen, aber auch veritable Strandhäuser, zu sehen. Nach der Schleuse Liebenwalde fuhren wir in den Oder-Havel-Kanal. Hier machten wir Bekanntschaft mit grossen Lastkähnen. Die Meisten stammten aus Polen und transportierten neben anderem Kohle für Kraftwerke.

 

Grossandrang bei der Schleuse Lehnitz Lastkran zum Be- und Entladen von Schiffen

 

Bei der Schleuse Lehnitz (mit 185 Metern Länge und 10 Metern Breite die grösste Schleuse auf unserer Reise) betrug die Wartezeit rund 1 1/2 Stunden. Die letzte Schleuse unserer Fahrt machte einige Teilnehmer nervös. Die Meinungen über die Taktik, um bei der nächsten Schleusung dabei zu sein, gingen weit auseinander. Die Diskussionen erwiesen sich wie so oft als überflüssig: die schlauen Zürcher Pontoniere waren in der Schleuse schlussendlich in der vordersten Reihe positioniert. Die letzten Kilometer auf dem Wasser verliefen ohne Aufregung und die Ankunft beim Auswasserungshafen in Berlin-Tegelort erfolgte zeitlich so präzise wie eine Schweizer Uhr.

 

Auswassern und Verladen der Schiffe und des Materials auf den Lastwagen im Joersfelder Segel-Club

 

Beim Joersfelder Segel-Club stand ebenfalls ein Kran zur Verfügung. Mit Unterstützung des Hafenmeisters Horst Karbe konnten die Schiffe und die Motoren wieder direkt vom Wasser auf den bereitstehenden Lastwagen aus Rupperswil geladen werden.

Wir nahmen das Abendessen im gemütlichen Ambiente des Clubhauses ein. Die Getränke spendierte uns Noldi Zuber zu seinem 70. Geburtstag. Gratulation und vielen Dank.

 

Berlin
Freitag, 29. August 2008

Heute durfte etwas länger geschlafen werden. Am späteren Vormittag ging die Busfahrt zum Empfang auf der Schweizer Botschaft.

 

Die Teilnehmer der Fernfahrt vor der Scheizer Botschaft

 

Die ideale Lage der Botschaft zwischen dem Deutschen Bundestag und dem Bundeskanzleramt wird in Diplomatenkreisen oft beneidet. Der alte historische Gebäudeteil ist einer Schweizerischen Botschaft würdig, ganz im Gegensatz zum neuen Anbau. Die Teilnehmer waren sich da einig, dass der Betonbau eher zu den bekannten DDR-Plattenbauten passt.

Nach einer gründlichen Sicherheitskontrolle wurden wir vom Gesandten Dr. Urs Hammer empfangen. Er gab uns einen interessanten Einblick in die Geschichte, die Funktionsweise und die wichtigsten Aufgaben der Botschaft sowie in die bekannten bilateralen Probleme zwischen der Schweiz und Deutschland. Er beantwortete alle, auch kritischen Fragen kompetent und diplomatisch. Am Schluss waren wir eingeladen unsere Kehlen mit alkoholfreien Getränken zu erfrischen. Die frische Luft vor der Botschaft kühlte dann auch unsere überhitzten Körper ab. Die oft gestellte und unbeantwortete Frage nach dem Besuch war, warum uns der Einblick in die offiziellen Empfangsräume im alten Botschaftsgebäude nicht vergönnt war?

Anschliessend fuhr der Bus zur Gedächtniskirche am Kurfürstendamm, um uns nach dem Mittagessen wieder für eine Stadtbesichtigung abzuholen. Unsere Stadtführerin Sabine Greiner konnte uns Vieles über die Geschichte, die Gebäude und Paläste Berlins erzählen. Am Potsdamer Platz bestaunten wir zuerst die Gebäude des Daimler-Benz-Areals und die beiden Häuser, welche den Zweiten Weltkrieg unversehrt überstanden hatten. Weiter gelangten wir via Potsdamer Platz zu den aufgestellten blauen Touristen und zurück zum Bus.

 

Gedächtniskirche Mauerstück am Potsdamer Platz Erste Berliner Ampel
Brandenburger Tor Berliner Reichstag

 

Die Weiterfahrt führte über die Museumsinsel zum Brandenburger Tor. Zu Fuss ging es dann weiter durch das Haus der Künste zum Holocaust-Mahnmal, welches zum Nachdenken veranlasste. Mit diesem starken Eindruck endete die Stadtbesichtigung.

 

Checkpoint Chariie Berliner Dom
Die Stelen des Holocaust-Mahnmals Altberliner Restaurant «Zur Gerichtslaube»

 

Das Abschluss-Abendessen nahmen wir im altberliner Restaurant «Zur Gerichtslaube» ein, welches sich im historischen Nikolai-Viertel befindet. Das feine Essen und der servierte Wein verwöhnten unsere Gaumen. Leider verging die Zeit zu schnell und der Heimweg zum Hotel, mit oder ohne Umwege, war unvermeidlich.

 

Berlin–Zürich
Samstag, 30. August 2008

Ein letztes Mal frühstückten wir im Garten unter den Heiz-Pilzen des Hotels Mercure Checkpoint Charlie. Anschliessend erfolgte der Transfer zum Flughafen Berlin-Tegel. Infolge einer unerklärlichen Verspätung kam beim Check-In Hektik auf. Das Problem wurde aber von der zugreifenden Dame am Check-In-Schalter schnell gelöst, so dass alle Gepäckstücke gleichzeitig mit uns in Zürich ankamen. Damit hatten die Schweiz und die Angehörigen die Zürcher Pontoniere gesund und um ein tolles Erlebnis reicher wieder zurück.

 

Warten auf den Abflug Flughafengebäude Berlin-Tegel

 

Schlusswort und Dank

Die jüngste Auslandreise der Zürcher Pontoniere reiht sich in die Erfolggeschichten der Fernfahrten ein, und man wird sich noch lange und gerne daran erinnern. Dem Organisationsteam ist es gelungen uns eine in jeder Beziehung perfekte und erlebnisreiche Reise zu bieten. Dafür danken wir Teilnehmer vielmals. In diesen Dank soll auch Frau Felicitas Hellmerich-Bieri vom Reisebüro HRG eingeschlossen sein.

 

 

Ebenso gilt der Dank den zivilen und militärischen Behörden in Deutschland und in der Schweiz für die uneingeschränkte Unterstützung bei der Organisation dieser Fernfahrt. Ein Kompliment verdienen auch die Teilnehmer dieser Fernfahrt für die Disziplin, die Kameradschaft und für das Verständnis, wenn nicht immer alle persönlichen Wünsche erfüllt werden konnten.

Wir hoffen, dass sich das Organisationsteam bald wieder Gedanken für die nächste Fernfahrt macht und dann möglichst viele Mitglieder teilnehmen können.

 

Links
Schwerin 
Schweriner Schloss 
Müritz-Havel-Wasserstrasse 
Parchim 
Plau am See 
Waren 
Müritz-See 
Mirow 
Vereinigung Kirchturm Mirow 
Mirower Seehotel
und Ritterkeller 
Fürstenberg 
Zehdenick 
Oder-Havel-Kanal 
Berlin 
 
 
16.03.2010  |  Pontoniersport-Verein Zürich